Lehmbackofen selber bauen Schritt für Schritt

Ein Pizza oder Brotbackofen im eigenen Garten oder auf der eigenen Terasse muss nicht teuer sein und kann ohne handwerkliches Geschick selbst gemacht werden.

Hier gebe ich eine Schritt für Schritt Anleitung dazu sowie eine vollständige Materialliste. Für das Baumaterial Lehm braucht es zwar keine großen Vorkenntnisse, man muss allerdings ein Gefühl dafür entwickeln. Falls du Fragen hast oder Unterstützung beim bau deines Lehmofen brauchst zögere nicht mich zu kontaktieren.

Schritt 0 – Unterkonstruktion und Platzwahl

Die Unterkonstruktion kann sehr unterschiedlich ausschauen, der Ofen sollte allerdings auf jeden fall nicht direkt am Boden stehen, damit er auch ordentlich bedient werden kann.

Die einfachste Variante ist, eine bestehende Mauer oder ähnliche Erhöhung zu verwenden, hier muss darauf geachtet werden, dass der Ofen nicht bei Regen durch Oberflächenwasser feucht wird.

Alternativ kann eine Unterkonstruktion aud Holz hergestellt werden, das ist eine schnelle Lösung und kann auch dauerhaft sein. Sehr wichtig ist hierbei darauf zu achten, dass das Gewicht vor allem im Nassen Zustand getragen wird, dass die Unterkonstruktion ausreichend Ausgesteift ist und, dass das Holz vor der Hitze des Ofens geschützt ist.

Eine Aufwändige Variante ist, eine Unterkonstruktion aus Mauerwerk, entweder Ziegel oder Stein. Die Vorteile sind, dass keine besondere Aufmerksamkeit auf den Hitzeschutz gelegt werden muss und die Unterkonstruktion kein Problem mit dem Gewicht des Ofens hat.

Was zu bedenken ist, ein Lehmofen ist nicht Wetterfest. Lehm ist beliebig oft wiederverwendbar da er wasserlösich ist, das bedeutet aber auch, dass direkter Regen den Ofen beschädigen kann und er entsprechend überdacht werden muss. Der Ofen kann auch mit einer Plane abgedeckt werden, dabei entsteht aber meist Kondenswasser, was auf dauer die oberen Schichten des Ofens leicht beschädigen kann. Schäden am Ofen sind kein Problem da er jederzeit ohne großen Aufwand wieder repariert werden kann da Lehm beliebig oft wiederverwendet werden und kleine Risse oder Löcher sind kein Problem für die haltbarkeit des Ofens.

Schritt 1 Baustoff Lehm:

1a Lehm Augraben

Lehm ist der wohl am weitesten verbreitete Baustoff der Erde. Lehm wächst zwar nicht nach ist aber reichlich auf der gesamten Erde vorhanden und wird seit Jahrtausenden als Baustoff verwendet. Auch die Moderne Bauwirtschaft verwendet Lehm in verschiedensten Formen zum Beispiel als Lehmstein, Stampflehm oder Lehmputz.

Den Lehm können wir an einem Beliebigen Ort im Garten ausgraben. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Humusschicht abgetragen wird (diesen Teil können wir später noch verwenden) das sind die ersten ca. 20cm die dünkler verfärbt sind. Dann kann das Material ausgegraben und getestet werden.

Die Anforderungen an den Lehm für einen Ofen sind ähnlich wie für Lehmputz, entsprechend kann das Baumaterial geprüft werden.

1b Lehm Testen

Das Baumaterial sollte vor der Verwendung getestet werden. Diese Tests verraten uns ob unser Material geeignet ist oder noch verändert werden sollte und geben gleichzeitig ein Gefühl für das Material. Lehm besteht aus Ton, Schluff und Sand. Wobei sich diese Bestandteile hauptsächlich durch die Korngröße unterscheiden. Ton ist das Bindemittel und somit der wichtigste Teil des Lehms, welche die eigenschaften bestimmt. Ist der Tongehalt zu hoch, wird der Lehm als „fett“ bezeichnet. Lehm kann sehr gut durch den Zusatz von Sand oder organische Stoffe wie Stroh oder trockenem Rasenschnitt „abgemagert“ werden. Ist der Ton zu fett, öffnen sich beim trocknen Risse, da der Ton beim trocknen schwindet. Ist der Ton zu mager ist zu wenig Bindemittel vorhanden und der Lehm kann nicht geformt werden und der Lehm „sandet“ im trockenen Zustand (beim drüberstreichen lösen sich Sandkörner). Für den Bau eines Ofens ist ein eher magerer Lehm von Vorteil, da er drausen gebaut wird ist sanden kein Problem und ein magerer Lehm verhindert die Rissbildung auch unter der Hitze des Ofens.
Test 1:
mit etwas Wasser eine kleine Wurst in den Händen Formen. Hat der Baulehm genug Tonanteil, dann sollte es problemlos möglich sein eine wurst mit einer dicke von 1 cm zu Formen, die nicht brüchig ist. Je dünner die Wurst ausgerollt werden kann desto fetter ist der Lehm.
Test 2:
Aus dem Lehm kann mit hilfe von etwas Wasser eine Kugel geformt werden. Diese Kugel wird auf harten Untergrund fallen gelassen z.B. ein Brett dabei sollte die Kugel nicht zerfallen aber auch nicht zerfließen. Dieser Test gibt uns nicht nur Auskunft über den Tonanteil aber auch darüber ob genug oder zu viel Wasser im Lehm ist.
Test 3:
Eine dünne Putzschicht auf einen Ziegel auftragen. Dabei können verschiedene Mischungen ausgetestet werden wobei kontinuierlich 1 Teil Ausgangsmaterial mit 1-3 Teilen Sand oder 1-3 Teilen Organischem Material gemischt wird. Das Auaftragen auf Ziegel bietet sich an, da diese das Wasser gut aufsaugen und einen geeigneten Putzgrund bieten. Das Ziel ist, dass der getrocknete Putz keine Risse aufweißt.

Wenn eine geeignete Mischung bestimmt wurde kann diese für den gesamten Ofen verwendet werden, wobei es Teile gibt die weniger empfindlich sind und die letzte Schicht die besonders schön werden sollte.

Schritt 2: Die Brennkammer

Pizza und Brotöfen sind in der Regel auf einer Ebene Aufgebaut. Um den Platzbedarf so klein wie möglich zu halten ohne einbusen in der Nutzbarkeit werden in dieser version 2 Ebenen erstellt, idealerweise durch Schamotteplatten getrennt.

Der Untere Teil ist die Brennkammer, welche durch das befeuern vor allem durch das reinwerfen von Holz beansprucht wird. Die Brennkammer kann durchaus rein aus Lehm erstellt werden, allerdings empfehle ich sie mit Ziegeln auszukleiden um sie länger haltbar zu machen.

Als erstes muss eine gerade Fläche hergestellt werden. Bei einer Holz Unterkonstruktion sollte zur Sicherheit eine mindestens 10 cm dicke Schicht Lehm aufgetragen werden. Hier ist die Qualität des Lehms nicht sehr wichtig, es können durchaus ein paar Wurzeln oder Steine drin sein es sollte aber so wenig wie möglich Wasser in den Lehm eingebracht werden da sonst im späteren Verlauf diese Schicht zerfließen kann. Auf diese Schicht geben wir die Ziegel, vertikal aufgereiht, wobei im hinteren Bereich wo die Brennkammer in die Kuppel übergeht keine Ziegel notwendig sind. Ausserhalb der Ziegel wird der Ofen in der Form der späteren Kuppel mit Lehm aufgebaut. Mit etwas Lehmmörtel (etwas feuchterer Lehm) können auf die Ziegel die Platten für die Brennkammer aufgelegt werden. Ziegel und Platten sollten möglichst waagerecht eingebaut werden. Die Schamotteplatten können auch durch bewehrte Betonplatten ersetzt werden. Betonplatten werden allerdings durch die Hitze brechen werden und nur durch die Bewehrung halten und dadurch etwas durchhängen.

Schritt 3: Der Bogen

Bevor die Kuppel aufgebaut wird, wird der Eingangsbogen aus Ziegeln gemauert. Auch hier bieten sich Ziegel an, da beim rein und rausnehemen von Brot oder Pizza sonst immer wieder Teile abbrechen können. Alternativ kann analog zum Bau der Kuppel auch der Bogen mit Lehm hergestellt werden.

Die einfachste Methode um die Kuppel zu Bauen ist die Ofentür vorher zu bauen und diese mit Abstandshaltern (ca. 1 cm) als Innenform zu verwenden. Natürlich kann auch eine Innenform aus Sand oder Erde für den Bogen erstellt werden. Die Schlusssteine werden mit einem Trennschleifer angeschnitten und vorn und hinten eingebaut sodass in der Mitte der Kamin platz findet. Die Ziegel sollten sich an den Innenkanten berühren und mit Lehmmörtel verbaut werden. Zusätzlich können kleine Steine verwendet werden um den Abstand zwischen den Ziegeln zu halten falls der Mörtel zu weich ist.

Die Ofentür bleibt im Bogen sodass der Sand/ Erde für die Innenform der Kuppel nicht nach vorne austritt. Alternativ kann auch mit etwas gefühl die Sandform für den Bogen genutzt werden.

Schritt 4: Die Kuppel

Die Kuppel wird komplett aus Lehm hergestellt. Dafür wird eine Innenschale aus feuchtem Sand oder Erde hergestellt hier kann auch das Material aus der Humusschicht verwendet werden. Hierbei können auch Steine oder Holzstücke verwendet werden um etwas weniger Sand zu verwenden. Das Loch im hinteren Teil muss abgedeckt werden damit nicht zu viel der Innenschale in die Brennkammer runterfällt.

Um die Höhe der Innenschale richtig einschätzen zu können kann am Anfang ein Stock an die höchste Stelle mit der gewünschten Länge platziert werden. Diese Innenschale bestimmt die spätere Form der Kuppel sie sollte dementsprechend gleichmäßig und glatt sein, außerdem sollte sie gutan den vorher erstellten Bogen anschließen. Wenn die Innenschale die gewünschte form hat wird sie mit angefeuchtetm Zeitungspapier abgedeckt. Das Zeitungspapier verhindert die verbindung von Innenschale mit dem Material der Kuppel.

Die Kuppel wird von unten nach oben mit möglicht konstanter Dicke von etwa 7cm aufgebaut. Es bietet sich an, die eigene Faust als Dickenmaß heranzuziehen. Beim Aufbau der Kuppel ist es Wichtig, dass das Material gut verbunden ist. Dafür wird immer das neue Material in das vorherige reingedrückt. Wichtig ist dabei das Material nicht in die Innenschale zu drücken sondern entlang der Außenschale, vor allem im obersten Bereich kann das schwieriger werden. Wie Glatt und schön diese Schicht ist, ist nicht wichtig, da wir im nächsten Schritt noch eine letzte Schicht auftragen.

Schritt 5: Finish

Als letzte Schicht wird ein Lehmputz aufgetragen. Hier ist es besonders wichtig, dass diese Schicht mit möglicht hochwertigem Lehm hergestellt wird der möglicht keine Trocknungsrisse aufweißt. Falls die unteren Schichten bereits getrocknet sind, müssen diese nochmal angefeuchtet werden damit sich die Schichten verbinden können. Diese letzte Schicht kann auch mehrmals aufgetragen werden und hier können Formen oder Schriften hergestellt werden. Nach belieben kann auch der Eingangsbogen verputzt werden. Hier kann etwas mehr wasser verwendet werden damit der Lehm auch glattgestrichen werden kann, außerdem sollten nicht zu große Steine, Stöcke oder Wurzeln enthalten sein, da sonst das Glattstreichen nicht besonders gut funktioniert. Diese Schicht sollte nicht dicker als 3 cm sein, es bietet sich an Trockenen Rasenschnitt oder Strohhäcksel zuzugeben da diese die Rissbildung zusätzlich verhindern.

Schritt 6: Aushölen

Wenn der Ofen angetrocknet ist, kann die Innenschale entfernt werden. Der Ofen muss nicht komplett trocken sein, das dauert mit der Innenschale unter umständen 2 Wochen. Wird nicht zu viel Wasser bei der Herstellung der Kuppel verwendet kann der Ofen in der Regel am selben Tag ausgehöhlt werden. vor allem im Anschlussbereich zum Eingangsbogen sollte vorsichtig vorgegangen werden und wenn sich die Kuppel bewegt muss sofort unterbrochen werden, dieser Bereich ist der Empfindlichste. Sobald der Ofen ausgeräumt ist kann gleich eingeheizt werden. Das Zeitungspapier wird warscheinlcih noch auf der Innenseite der Kuppel kleben und wird mit vortschreitender Trockunung abfallen und verbrennen. Der Ofen fängt an zu dampfen sobald sich die Kuppel langsam aufwärmt. Auch unter hoher Hitze wird der Ofen nicht am selben Tag komplett austrocknen, das dauert einige Tage.

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